news // Experteninterview mit CTO Torben Irmer

Welchen Bereich verantwortest Du als einer der drei Gründer von odc?
Ich verantworte als CTO den Bereich „Product und IT“. Dementsprechend bin ich gemeinsam mit meinem Team für die strategische Produktentwicklung entlang unserer Produktvision zuständig. Eine Vielzahl von internen (Operations, Sales, Marketing etc.) und externen (Händler, Markt, Warehouse-Partner, Multiplikatoren etc.) Stakeholdern werden hierbei durch uns priorisiert und die unterschiedlichsten Produktanforderungen entsprechend umgesetzt. Unser Minimum Viable Product (MVP), mit dem wir gestartet sind, haben wir technisch zu einer performanten und skalierbaren Infrastruktur weiterentwickelt. Unser Ziel ist es, dass wir unser Geschäftsmodell maximal digitalisieren und Innovationen für den Fulfillment- und Retourenmarkt schaffen.

Neben der strategischen Produktentwicklung stellen wir im Rahmen des operativen Produktmanagements in enger Zusammenarbeit mit unserem Operations-Team sicher, dass das Tagesgeschäft reibungslos läuft und die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllt werden. Diesbezüglich stehen wir in ständigem Austausch mit Händlern und Warehouse-Partnern. Zudem sind wir für das technische Onboarding von Neukunden und neuen Partnern im Bereich Warehousing und Shipping an unsere odc-Plattform verantwortlich.

Was sind die Herausforderungen im IT-Bereich bei odc?
Die größte Herausforderung ist unser Geschäftsmodell: Die logische Verknüpfung der digitalen und automatisierten Welt des E-Commerce mit der zum Großteil manuellen Welt des physikalischen Warenhandlings in der Logistik zu einem performanten Fulfillment-Prozess. Wir bieten Fulfillment-Services auf Enterprise-Level für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) an, die bisher keinen Zugriff auf solche Services hatten. Dies bedeutet, dass wir auf Produktebene die Anforderungen von hunderten von aufstrebenden KMU erfüllen müssen – und dies auf höchstem Service-Niveau!

Dafür entwickeln wir für zahlreiche ERPs, Shopsysteme und Marktplätze Standard-Schnittstellen, die eine Vollintegration für die Routen Fulfillment und Retouren bereitstellen. Eine weitere Herausforderung für die IT: Wir haben es nicht immer mit modernen Schnittstellen zu tun, sondern müssen unsere angestrebte Prozesstransparenz und -geschwindigkeit auch über einen dateibasierten Datenaustausch realisieren. Gleiches gilt für unser Warehouse-Netzwerk, das wir über unser Warehouse-Hub kontinuierlich ausbauen. Auch in diesem Bereich sind nicht alle am Markt verfügbaren Warehouse-Management-Systeme (WMS) darauf ausgelegt, mit Third-Party-Services über Schnittstellen in einer hohen Frequenz zu kommunizieren.

Bezüglich der beschriebenen Prozesse agieren wir als Übersetzer und Vermittler und ermöglichen dadurch einen automatisierten Prozess vom Auftragseingang über Pick & Pack bis hin zum Versand der Bestellung. Unser Ziel ist die konsequente Generalisierung der Fulfillment-, Retouren- und E-Commerce-Prozesse bis auf die unterste Abstraktionsebene. Nur so lassen sich in der prozessualen Produktentwicklung automatisierte Prozesse mit einem höchstmöglichen Nutzen für eine große Zielgruppe entwickeln.

Um unser Ziel schnell zu realisieren, suchen wir stets gute Entwickler, die nicht nur leidenschaftlich Software entwickeln, sondern auch daran interessiert sind, die Art und Weise, nach der Software heutzutage entwickelt wird, durch persönlichen Einsatz und Engagement neu zu definieren – wir bieten die Möglichkeit dazu: besuche unsere Karriereseite!

Worin unterscheidet sich Euer Produkt von anderen in der Branche? Welchen technischen Mehrwert bietet Euer Produkt?
Unser Produkt ist eine Kombination aus zwei Bereichen: Einer digitalen Plattform und dem physikalischen Warenhandling in den Warehouses. Unser übergeordnetes Produktziel ist, individualisierbare Standard-Fulfillment-Prozesse in einer skalierbaren Form zu modellieren. Dabei ermöglichen wir dem Kunden den kontrollierten, manuellen Einstieg in die automatisierten Prozesse – der Händler individualisiert diese entlang des odc-Standards und hat zu jeder Zeit die volle Kontrolle.

Bereits zum Start konnten wir durch eine tiefe Integration in die Kundensysteme ein kostenloses Onboarding realisieren. Für eine Vielzahl der Kundensysteme kann der Kunde dies selbst in Form eines technischen Self-Onboardings vornehmen. Wir bieten unseren Kunden eine komplette Artikel- und Auftrags-Validierung über unseren odc-Validation-Service an. Erforderliche Korrekturen der Daten werden direkt im odc-Portal im Self-Service vorgenommen. So werden Fehler frühestmöglich und nicht erst Stunden später im Warehouse identifiziert und korrigiert. Eine Verzögerung für den Endkunden wird so auf ein Minimum reduziert und die Wahrscheinlichkeit eines taggleichen Versands erhöht. Durch die Kundeninteraktionen im odc-Portal werden zuweilen Entwicklungspotentiale aufgedeckt und unsere Services dementsprechend optimiert. Auf diese Weise ist es uns möglich, die Korrekturaufwände auch zukünftig weiter zu reduzieren.

Wie läuft die Zusammenarbeit in Deinem Team?
Gestartet bin ich mit einem Team von zwei Entwicklern, mittlerweile sind wir auf über zehn Mitarbeiter in der Entwicklung und im Produktmanagement angewachsen und wollen das Team auch in diesem Geschäftsjahr weiter verstärken. Wir investieren sehr viel Zeit und Energie in unsere Team-Entwicklung und setzen vor allem auf Transparenz und eine offene Fehlerkultur. In der Product Discovery, in der es darum, geht das Problem zu verstehen und Ideen auszuprobieren, werden Anforderungen ausformuliert, validiert und im Prototyping getestet. In der Praxis schafft es der Prototyp (oder auch MVP) im Rahmen der Product Execution in den meisten Fällen, in seiner erweiterten Form in das nächste Live-Release zu gelangen.

Grundsätzlich ist uns im Team wichtig, dass alle auf das gleiche Ziel hinarbeiten. Daher werden die monatlichen Unternehmens-KPIs mit allen gemeinsam besprochen – schließlich können diese nicht durch den Einsatz eines Einzelnen, sondern nur gemeinsam optimiert werden.

Konkret heißt dies für mein Team, dass wir in Sprints arbeiten um regelmäßig eine neue Produktversion bereitzustellen. Wir sind auf kein agiles Manifest festgelegt, sondern nutzen Meetings und Artefakte von Scrum und Kanban – Dailies, Sprint-Plannings, Product- und Sprint-Backlog, Reviews und Retrospektiven. Im Zentrum aller Überlegungen steht immer das Ziel, die Kommunikation im Team zu fördern. Wir bilden wechselnde Feature-Teams mit dem Ergebnis, dass alle eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten können, was natürlich die Motivation und Bindung erhöht. Durch das Arbeiten in interdisziplinären Teams entstehen zudem Synergieeffekte. Dabei achten wir darauf, dass es zu keinem Silodenken kommt. Nicht nur die Stacks arbeiten interdisziplinär, auch die Anforderungen aus Sales und Operations lösen wir gemeinsam in moderierten Diskussionen. Die Product Owner erarbeiten die Anforderungen, pflegen das Backlog und kanalisieren den Output. Schließlich haben wir eine gemeinsame Vision und in diese Richtung wollen wir uns auch konsequent entwickeln.

Welche Bedeutung hat das MVP für Dich und odc?
Ein MVP, also ein Minimum Viable Product oder auch Prototyp, hat eine unglaublich große Bedeutung, wenn man die Chance darin erkennt. Wir sind mit odc auf einer absolut grünen Wiese gestartet – nur mit einer Idee, einer Vision und einer Hand voll Hypothesen. Dabei kam uns unsere Gründerkonstellation zugute: Christian und Torben haben für mich als interne Stakeholder fungiert und mir ihre Anforderungen aus Sales- und Operations-Perspektive dargelegt. Dadurch haben wir in kürzester Zeit ein technisches MVP skizziert und zusammen mit zwei Freelancern in nur vier Wochen entwickelt. Anschließend sind wir direkt mit unserem ersten Kunden Ahead gestartet. Um schnell Erfahrungen zu sammeln und den Erwartungen unseres Kunden zu entsprechen, mussten wir schnellstmöglich ein betriebsfertiges Funktionsset liefern.

Das MVP diente uns dafür, in einer sehr frühen Phase unsere Hypothesen zu bestätigen oder auch zu widerlegen. Fast täglich wurde das Erlernte validiert, generalisiert, entwickelt und in einem neuen Release deployed. Wir waren stets bestrebt, ein neues Feature so schnell wie möglich zu launchen, um weitere Erkenntnisse daraus zu gewinnen und gegebenenfalls entsprechende Optimierungen anzusetzen. So haben wir zu Beginn gearbeitet und so arbeiten wir heute auch bei der Neu- und Weiterentwicklung. Durch unser rasantes Kundenwachstum und steigendes Auftragsvolumen haben wir das MVP bereits frühzeitig weiterentwickelt und auf Enterprise-Level angehoben.

Wie funktioniert die technische Anbindung an Kundensysteme wie ERPs, Shops und Markplätze?
Für wesentliche ERP- und Shopsysteme haben wir bereits odc-Connectoren, mit Transformation- und Routing-Funktionalität, entwickelt und ermöglichen so tiefe Integrationen mit Kundensystemen. Hierdurch können Kunden innerhalb weniger Minuten durch uns oder im Self-Onboarding technisch angebunden werden. Neukundensystemen, die wir nicht in unserem Portfolio haben, werden – nach einer internen Wirtschaftlichkeitsprüfung und fachlicher Generalisierung – innerhalb weniger Tage durch unsere Technik angebunden.

Was hast Du vor der Gründung gemacht, wie bist Du zu odc gekommen?
Ich habe einige Jahre bei Immonet.de als Quality Assurance Manager gearbeitet bevor ich den praktischen Teil meines dualen Wirtschafsinformatikstudiums an der Nordakademie bei der Otto Group absolviert habe. Während dieser Zeit habe ich verschiedene Stationen, unter anderem bei Quelle Russland und Lascana International, durchlaufen. Meine Aufgabe war es, Tools zur Prozessautomatisierung entlang der Wertschöpfungskette zu entwickeln: Angebotserstellung, Warenavisierung, Warensteuerung und Stockmanagement. Damals war mir noch nicht klar, dass ich genau dieses Wissen einmal in einem Start-up einsetzen kann.

Nach dem Studium bin ich direkt zur Nitrobox gewechselt, einem Fintech Startup hier in Hamburg. Als Product Owner entwickelte ich mit meinem Team eine performante Plattform zur Digitalisierung von Finanzprozessen (order-to-cash) mit Fokus auf den häufig geleisteten Micropayments. Hier habe ich Torben kennengelernt, der uns bei dem Aufbau der Sales-Strukturen als Interim Manager unterstützt hat. Dieser Kontakt ist nie abgerissen und nach dem ersten gemeinsamen Treffen mit Christian und Torben war schnell klar: Wir drei teilen die gleichen Werte, leben Toleranz und Wertschätzung und sind gleichermaßen motiviert neue Wege zu gehen. Für mich war und ist dies die wichtigste Voraussetzung, um gemeinsam ein solch herausforderndes Projekt erfolgreich aufzubauen – und diese Einstellung macht sich auch heute noch bezahlt.